Letztens bin ich über einen Satz gestolpert, der mich dazu gebracht hat an dem Konzept der „Selbstwertes“ ernsthaft zu zweifeln. Das Zitat lautet wie folgt:

Jedes Ding hat seinen Wert. Der Mensch aber hat seine Würde.

Viktor Frankl, einer der Begründer der Psychologie, sagte dies in Bezug auf die Eutanasie im dritten Reich. Er bringt hier zum Ausdruck, dass man den Wert eines Menschenlebens nicht bemessen kann an der Leistung die er bringt. Menschen mit Behinderung wurde damals als für die Gesellschaft nicht wertbringend eingestuft und reihenweise umgebracht.

Weiter sagte er in seiner Rede, dass es sehr alte Menschen in Familien gibt, die keinerlei Beitrag leisten können, von ihren Kindern und Enkelkindern jedoch umsorgt und geliebt werden. Sind diese alten Menschen nicht unendlich wertvoll für ihre Familien? Ganz gleich ob sie nun einen Arbeitsbeitrag leisten können oder nicht?

Diesen Vergleich finde ich sehr schön. Ich erinnere mich an meine Oma. Wie wir sie geliebt haben, einfach, weil sie war wie sie war. Auch ohne, dass sie etwas dafür tun musste.

Und doch hinkt dieser Vergleich, denn meine Oma hatte natürlcih ein prall gefülltes Beziehungskonto bei uns, als sie an dem Punkt war, dass sie nichts mehr für uns tun konnte.

Auch Menschen, die das nicht haben, haben eine Menschenwürde, die ihnen niemand absprechen kann.

Warum also versuchen Menschen mit ihrem Tun zu beweisen, dass Sie besonders wertvoll sind?

Die Würde ist uns so oder so gegeben. Als gläubiger Mensch glaube ich, dass wir sie haben, weil wir nach Gottes Ebenbild geschaffen sind. Und weil er für uns gestorben ist. Daran bemisst sich mein und dein Wert. Dass das größte und mächtigste, schönste und wertvollste Wesen im Universum sich für uns geopfert hat. Damit wir leben können. Leben in Freiheit, leben mit der Möglichkeit zur Vergebung und somit ein Leben in der echte Liebe möglich ist. Er sagt am Kreuz unter anderem „Es ist vollbracht“ und damit gibt es nichts, was ich noch hinzufügen kann. Nichts, was ich tun oder erreichen kann um meinen Wert zu erhöhen.

Alles was ich tue, ist somit auch befreit und geschieht aus Liebe zu den Menschen, einer Vision oder einer Berufung. Die Freude und Befriedigung, die ich aus der Arbeit ziehe, kommt einfach aus der Arbeit selbst. Sie ist unbelastet von dem Versuch meinen Selbstwert durch sie zu beweisen. So bin ich viel freier in der Wahl dessen, was ich tue und beute mich auch selbst nicht mehr aus. Alles kommt ins Gleichgewicht. Ich kann meine Grenzen akzeptieren und mir Ruhepausen gönnen. Und am Ende eine Arbeit abliefern, die Exzellent ist. Gerade weil ich mit ihr und mir selber ehrlich sein kann, meine Fehler zugeben; Feedback annehmen und daraus lernen kann.

Mein Leben hat einen Sinn, der weit über meine Leistung hinaus geht. Es ist würdevoll, auch wenn ich nicht die Schönste bin. Würdevoll, auch wenn ich älter werde Es ist würdevoll, ganz gleich, ob alle Wünsche erfüllt werden, die ich habe. Es hat einen Sinn, auch wenn ich niemals Mutter werden sollte. Denn es ist an und für sich mit Sinn erfüllt und nicht erst dadurch, dass es sich selbst fortpflanzt. Bleibt nur die Frage, mit welchem Sinn ich es füllen möchte. Welche Berufung liegt auf meinem Leben?

Hast du dich mit dieser Frage schob auseinandergesetzt? Du bist ein Geschenk für deine Umwelt. Du hast mitbekommen, mit dem du dein Leben füllen kannst.