Karfreitag bedeutet für mich, dass ich niemals alleine bin.

Man sagt, wenn Menschen leiden, dann ist das schlimmste daran häufig, dass sie sich völlig einsam fühlen. Losgelöst vom Rest der Welt. Unverbunden mit denen, die sie eigentlich lieben. Weil sie annehmen, dass sie der einzige Mensch sind, der das durchmacht, was sie durchmachen. Dieser Gedanke verschlimmert alles um ein Vielfaches.

Ich kenne dieses Gefühl. Ich habe mich auch schon so gefühlt. Und manchmal tue ich das auch heute noch.

Wenn du dir jetzt vor Augen führst, was dich am meisten schmerzt und dir dann vorstellst, du bist ganz alleine damit und keiner kann dich verstehen – wie fühlst du dich damit? Am besten du gibst dir dafür ein paar Minuten und schreibst es auf!

Menschlich betrachtet ist es gar nicht mal so falsch. Denn kein Mensch kann das nachempfinden, was du gerade durch machst oder was ich irgendwann erlebt habe. Und doch ist dieser Gedanke absolut toxisch. Er isoliert uns. Kesselt uns ein und macht uns unfähig der Verbindung zu anderen. Unfähig auch den Schmerz zu fühlen und zu überwinden. Wir versuchen ihn zu verdrängen und machen ihn damit nur noch größer.

Experten empfehlen in solchen Momenten sich ins Gedächtnis zu rufen, dass irgendjemand auf der Welt sicher sehr genau weiß, wie es dir geht. Dass irgendjemand eben doch genau das erlebt hat, was du erlebst. Es sind genau die schmerzlichen Erfahrungen, die uns als Menschen einen.

Liebeskummer hat doch jeder schon mal durch gemacht, oder? Viele kennen es krank zu sein – mehr oder weniger. Irgendwo auf der Welt hat auch schon jemand auf die gleiche Art versagt wie du und musste damit zurecht kommen. Viele Menschen haben schon jemanden verloren und getrauert. Noch viel mehr Leute sind sehr lange Single und wünschen sich einen Partner. Wieviele Kinder gibt es, die die Scheidung ihrer Eltern mit machen mussten? Wieviele Paare, die sich lange Kinder wünschen und sie nicht bekommen. Ich weiß nicht welche Erfahrung dich schmerzt. Aber du weißt es sicher.

Ich möchte dich jetzt einmal bitten dir diesen Schmerz noch einmal vor Augen zu holen und dir vorzustellen, dass irgendjemand genau das gleiche erlebt hat. Es ist eine menschliche Erfahrung. Und ihr seid dadurch verbunden. Du bist nicht alleine damit. – Was macht dieser Gedanke mit dir? Lass dir auch für diesen Gedanken einige Minuten. Was macht er mit dir? Wie fühlt sich der Schmerz jetzt an? Schreibe es am besten auf!

Und jetzt möchte ich dich bitten, noch einen Schritt weiter zu gehen mit mir.

Stell dir vor, es gibt einen Gott. Einen, der größer ist als alles und jeder, den du kennst. Stell dir vor: Er hat uns Menschen geschaffen, weil er mit uns befreundet sein wollte. Deswegen haben wir auch einen freien Willen zu wählen, ob wir das auch wollen. Oder eben nicht. Stell dir vor, er könnte alles und er müsste garnichts. Aber er hat sich dazu entschieden dich in diesem schlimmsten Schmerzen deines Lebens nicht alleine zu lassen. Er kommt herunter in dieses Leben und erlebt ALLES, was ein Mensch erleben kann.

„Er war weder stattlich noch schön. Nein, wir fanden ihn unansehnlich, er gefiel uns nicht! Er wurde verachtet, von allen gemieden. Von Krankheit und Schmerzen war er gezeichnet. Man konnte seinen Anblick kaum ertragen. Wir wollten nichts von ihm wissen, ja, wir haben ihn sogar verachtet. Er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen.“

Jesaja 53, 2-4

Wenn das wahr ist, dann bist du nie mehr allein. Dann weißt du bei jedem Moment, der nicht gerade der goldenste Freudenmoment ist, dass bei dir jemand ist, der mit dir alles durch macht. Du musst nichts mehr alleine durch machen. Du bist nie allein. Du warst nie allein. In keinem Moment deines Lebens. Und wenn du dir jetzt das Schlimmste vorstellst, was dir passiert ist. Der Moment an dem du dich am einsamsten gefühlt hast, dann darfst du wissen: auch da warst du nicht allein. Da ist jemand gewesen, der freiwillig gewählt hat bei dir zu sein und das gleiche zu fühlen, was du gefühlt hast. Er hätte es auch lassen können. Hat er aber nicht. Damit du niemals alleine sein musst. Nie, nie wieder.

Das bedeutet Karfreitag für mich. Das ist wahre, ewige absolut perfekte und unfehlbare Liebe. Ich wünsche dir, dass du das Glauben kannst und in der Folge nie wieder alleine bist. Hab ein gesegnetes Osterfest.

Mit Liebe geschrieben

Deine Tina