Letztens hat mich eine Leserin, die liebe Elena, gebeten einen Beitrag über Freude zu schreiben. Freude ist ja auf diesem Blog das Hauptthema. also quasi mein Spezialgebiet. Was nicht heißt, dass ich jeden Tag gut drauf bin und mein Leben ewig happy clappy ist. Dann würde dir dieser Beitrag wahrscheinlich auch garnicht helfen. Denn, wenn du ein normales menschliches Lebewesen bist, gehören Tiefen genauso zu deinem Leben dazu wie Höhen.

Also wenn Freude nicht durchgehendes Happy-clappy ist, was ist es dann?

Freude können wir nur im Hier und Jetzt haben. Dagegen ist „Glücklich sein“ etwas was wir über einen längeren Zeitraum sind, dieses empfundene Glück wird zwar auch von der kleinen Alltäglichen Freude beeinflusst, hat aber auch noch mit anderen Faktoren zu tun – dazu ein ander mal mehr. Freude ist ein kurzfristiges Gefühl das eintritt,

  • wenn wir etwas erleben, das wir uns gewünscht haben
  • oder wenn wir etwas das wir erleben als positiv bewerten.

Erkennst du den Unterschied zwischen den zwei Punkten? Den ersten Punkt können wir nicht beeinflussen. Manchmal passieren Dinge, die toll sind und wir freuen uns. Dieser Punkt ist abhängig von unseren Umständen und den Menschen um uns herum. Der zweite Punkt ist aber NUR durch uns selbst beeinflussbar. Und auf den wollen wir uns konzentrieren. Das ist der Hebel, den wir in Bewegung setzen!

Manchmal ist Freude ganz leise und entspannt: wenn du deinen Kaffee in Ruhe genießt und dir dabei ein spontanes Lächeln über die Lippen läuft oder du wenn dich über deine Lieblingssorte Eis freust.

Wir erleben Freude, wenn wir etwas Schönes sehen. Schön ist ja bekanntlich Geschmacksache. Allerdings gibt es laut Ingrid Fetell Lees tedvortrag einige Dinge, die in fast allen Menschen Freude auslöst:

  • Bunte poppige Farben (Mist, mein Interieur ist ja eher so schwarz-weiß und Holz, das höchste der Gefühle sind dann Blumen, die Farbe ins Geschehen bringen – muss ich meine Einrichtung jetzt ändern???)
  • Runde Formen (Psycho-Sidekik: Eckiges aktiviert unsere Amygdala – unser Angstzentrum, deswegen freuen wir uns mehr über runde Formen: Eine Wassermelone, eine Orange, buntes Konfetti oder eine Kugel Eis lösen spontan Entspannung und Freude aus)
  • Symetrisches (Gott sei Dank darf ich das in der Einrichtung beibehalten) Symmetrie schafft Ordnung und somit Ruhe, also Entspannung und Entspannung ist eine Form von Freude
  • alles was Leichtigkeit suggeriert – zum Beispiel Seifenblasen, Kirschblüten oder Wasserfarben auf Bildern.

Mal sehen was ich mit diesen Informationen zur optischen Wahrnehmung von Freude noch mache… auf jeden Fall werde ich nach diesen Dingen Ausschau halten. Du vielleicht auch?

Zusätzliche zu diesen kleinen Freuden ist Freude manchmal auch überschwenglich und laut – könnte so sein, wenn du nach dieser ganzen Covid-19 Story endlich deiner besten Freundin in die Arme rennen kannst, dabei sehr laut bist und ihr euch garnicht los lassen wollt. Kennst du das, wenn Menschen vor Freude auf und ab Hüpfen? Dieses Hüpfen ist tatsächlich eines der Dinge an denen Freude wissenschaftlich gemessen wird – lustig oder?

Gerade dieses Spontane, Laute und Überschwengliche erleben wir häufig bei Kindern. Kinder haben einen viel besseren Bezug zu ihren Gefühlen und können sie auch nicht so gut regulieren wie Erwachsene. Ist für die Umwelt vielleicht etwas anstrengend für uns aber eine Inspirationsquelle 😉

Was kannst du nun tun, um mehr Freude in deinem Leben zu haben?

  1. Achte darauf, wie du Menschen, Situationen und Dinge bewertest und worauf du deinen Fokus legst.
  2. Erlaube dir zu denken, dass etwas schön ist oder Spaß macht anstatt nach dem Ausschau zu halten, was noch verbessert werden kann. Journaling hilft: Schreibe jeden Tag auf wofür du dankbar bist und worauf du dich freust. Das erhöht deinen Fokus für die Dinge, die dir Freude bereiten.
  3. Achte darauf, wenn Menschen gut zu dir sind. Nimm es wahr und denke aktiv in deinem Innern: „Der andere Mensch ist nett zu mir, sympathisch. Er hat getan was ich mir gewünscht habe.“ Drücke deine Dankbarkeit aus! Halte dies in deinem Herzen fest oder schreibe es dir später auf und halte Ausschau nach solchen Momenten. Wenn du mal das Gegenteil denkst oder erlebst, dann bemühe dich das Verhalten des anderen so großzügig wie möglich auszulegen. Nicht, um ihn zu entschuldigen oder zu erlauben, dass jemand deine Grenzen überschreitet, sondern um dein Herz davor zu schützen dich gegen andere Menschen zu verschließen.
  4. Erlaube dir das Leben generell als schön zu bezeichnen und zu bewerten. Trotz allem. Das Leben ist schön. Auch wenn es mal schwer ist oder schmerzt, bei Verlust und Trauer, finde nach jedem negativen Ereignissen wieder zurück zu der Überzeugung, dass das Leben schön ist.
  5. Erlaube dir dich selbst zu loben: „Das habe ich gut gemacht.“ oder: „Meine Nase ist nach der OP echt gut geworden!“ ;). Ich weiß, es gibt Tage, an denen empfindest du das was du geleistet hast nicht als ausreichend. Das ist so ein Moment indem deine Gefühle ein wenig Anleitung von deinem klugen Köpfchen bekommen. Schreibe dir die Dinge auf, die du an diesem Tag geschafft hast und bekomme so ein neues Gefühl für das was du erreicht hast. Und dann sagst du dir: Mit der Zeit und Kraft und allem was mir zur Verfügung stand habe ich für heute genug geleistet. Ich bin zufrieden mit mir. Alles was ich nicht geschafft habe, lasse ich liegen. Oder: Alles was ich geschafft habe und alles was unerledigt geblieben ist, gebe ich ab (als gläubiger Mensch sage ich dann: Ich gebe es dir ab, Gott). Du wirst merken: Das wirkt!
  6. Tatsächlich ist es manchmal so, dass wir unsere Freude selbst sabotieren. Manchmal haben wir Angst davor uns zu freuen. Das passiert besonders bei den großen und wichtigen Dingen unseres Lebens. Die Dinge, die wir nicht verlieren möchten. Wir wollen uns nicht freuen, weil wir ja enttäuscht werden könnten. Also können wir auch gleich unglücklich sein. Und sterben. Ziemlich dumm von uns, oder? Tja, so sind wir nun mal. Also: hinterfrage dich, welche Dinge du dir wünscht. Wovon du noch träumst im Leben. Und erlaube dir die Schwelle zu überschreiten und dir vorzustellen, dass das was du dir wünscht eintritt. Male es dir aus in den buntesten Farben und schwelge ein wenig darin. DAS ist Vorfreude – und soll ich dir was sagen? Vorfreude ist die größte Freude. Das ist kein Sprichwort, sondern wissenschaftlich nachgewiesen!
  7. Wir versuchen uns zu schützen. Wir versuchen nicht verletzlich zu sein. Und damit sind wir auch schon beim nächsten Punkt: Wenn wir versuchen unsere negativen Gefühle zu unterdrücken, dann unterdrücken wir auch die „guten“. Liebe, Freude, Kreativität. Das bedeutet, dass wir Freude nur in der Intensität erleben und fühlen können, in der wir auch Trauer, Schmerz und Angst zulassen. Ich sage nicht: versinke in der Trauer und komm nie wieder raus. Und ich sage auch nicht: Heul den ganzen Tag rum und lass dich von der Angst bestimmen. Was ich sage ist: Sei ehrlich zu dir selbst. Dein Leben ist nicht immer happy clappy. Du bist ein Mensch. Und dazu gehört eben alles menschliche Erleben dazu. Auch Trauer, Schmerz und Angst. Umarme die negativen Gefühle wenn sie da sind. Erstens gehen sie so viel schneller weg, als wenn du sie verdrängst oder mit Essen, Drogen (jepp. auch WEIN ist damit gemeint) oder Ablenkung im Fernsehen betäubst. Und zweitens weitest du so dein Herz auch für das Erleben von Freude.


Sei mutig! Du kannst das. Du bist eine Kriegerprinzessin! (Huch, da hat sich die achtjährige Xenia-Fan in mir zu Wort gemeldet. Ich würde sagen, die Verbindung zu meinem inneren Kind scheint schon durch das Schreiben dieses Beitrags besser geworden zu sein.) Ich geh dann mal schaukeln!

Du bist dran: Was macht dir Freude? Wie sorgst du dafür, dass du ein paar Mal am Tag einen Moment echter Freude erlebst?

Mit Liebe geschrieben eure Tina