Spätestens seit Sex and the City wissen wir, was wir von unseren Freundinnen erwarten. Eine Freundschaft soll trösten bei Liebeskummer. Sie soll Wut verrauchen lassen oder wahlweise auch anstacheln. Ehrlich sein! Freude verdoppeln ohne Neid. Und vor allem soll sie beständig sein. Über alle Widrigkeiten des Lebens erhaben. Der Fels in der Brandung, auf den man sich verlassen kann. Komme, was wolle. Zusammen durch dick und dünn!

Du bist nicht allein!!!

Was ist aber, wenn man eh nicht allein ist. Wenn man bereits einen zwar stärker beharrten, aber auch stärker geliebten Fels besitzt?

Was passiert mit Freundschaften, wenn man sich nicht mehr gemeinsam durch die Singlewelt kämpfen, tanzen, weinen, feiern, leiden, freuen kann? Verlieren sie ihre Existenzberechtigung?

Manchmal ja. Es gibt diese Situationen, in denen plötzlich verpaarte Freundinnen, sich gar nicht mehr so richtig erinnern können, was vor dem „Wir“ war: „Ja, ich hätte voll Lust mal wieder eine Mädelsrunde zu starten, aber dieses Wochenende sind wir schon auf einem Pärchen-Spieleabend. Wir spielen da. So unter Pärchen. Genau. Wir holen das nach!“. Nachdem die Initiative das gefühlt 123.798 Mal von dem Nicht-Pärchen-Part ausging und so langsam aber sicher die Freundschaftsfahne auf Halbmast hängt, ist der Drops gelutscht. Da fühlt man sich als zurückgebliebene Freundin, die ein „Ich“ ist, doch ziemlich veräppelt und fragt sich, ob das Freundschafts-„Wir“ wohl nur Fassade war. Eine Art gemeinschaftliches Ablenken. Nicht mehr nötig, nach erfolgreichem Entrinnen des Status 0. Das Fahrrad fährt gut mit zwei Rädern. Die Stützräder können weg.

Manchmal ja. Es gibt diese Situationen, in denen man als plötzlich verpaarte Freundin gar nicht mehr so richtig dazu gehört. Zum Single-Club der wunderbaren, unabhängigen, fantastischen und ich-bin-gut-so-wie-ich-bin-Frauen. Man versucht es, will das Wir-sein gar nicht raushängen lassen und zieht so oft es geht den dicken Pärchen-Bauch ein. Aber das ist sinnlos, wenn man ein Schlauchkleid trägt. Man sieht es. Du fühlst es. Es ist nicht mehr dein Club, so sehr du auch willst. Es bilden sich neue Cliquen, in denen die alten Singles mit anderen Singles connecten um ihre Singleness zu zelebrieren. Klar kannste dabei sitzen, aber ist halt scheiße. Ist halt nicht dasselbe. Kein geteiltes Leid mehr, weil du kein Leid mehr hast, das du teilen kannst. Hmm… ist das jetzt gut oder schlecht?

Zum Glück sind Freundschaften nicht nur schwarz oder weiß. Auch wenn gemeinsame Lebenssituationen zusammen schweißen, bedeuten unterschiedliche Lebenssituation nicht automatisch den Untergang. Vielleicht bedeutet es aber, sich etwas mehr Mühe zu geben. Es ist leicht mit jemandem mitzufühlen, der durch die gleiche Scheiße geht wie du selbst. Aber es erfordert viel mehr Empathie, eine andere Perspektive einzunehmen. Alles was eine Person tut, ist die Reflexion ihrer eigenen Welt. Wenn nun also meine Freundin lieber einen Pärchen-Spieleabend macht, als mit mir Schnulzenfilme zu gucken, hat das nichts mit mir zu tun. Und wenn meine Freundin mit anderen Singlefreundinnen auf Tour geht, hat das genauso wenig mit mir zu tun. Nur weil ich momenten nicht alle Bedürfnisse erfüllen kann, bin ich keine schlechte Freundin oder weniger Wert. Beziehungen sind immer mit Arbeit und Anstrengung verbunden. Besonders, wenn sie sich weiterentwickeln. Doch wenn auch nur eine Freundschaft diese Anstrengungen übersteht, hat sich alles gelohnt.

„We made a deal ages ago … men, babies, it doesn’t matter. We are soulmates.“

Für alle meine wunderbaren Freundinnen.