In einer Phase meines Lebens, in der ich sehr gestresst war und Entspannung brauchte habe ich angefangen zu meditieren. Mit Anleitung von Podcasts. Das war schon ganz gut. Häufig hat es mir geholfen mich etwas entspannter zu fühlen. Meine tiefsten Sorgen und Gedankenkarusselle konnten sie jedoch nur für die Meditationszeit und kurz danach unterbrechen.

Einer der Stresspunkte war, dass ich wusste, dass ich eine Entscheidung für mein Leben treffen musste. Konnte es aber nicht. Völlig verkopft habe ich mir 1000 Gedanken und 100 Sorgen gemacht. Alles Mögliche und Unmögliche miteinander abgewogen und mich in meinen Gedanken immer mehr verstrickt.

Bis ich mich dazu entschied einen Berater aufzusuchen. Er machte mehrere Übungen mit mir, die mir helfen sollten meine Gedanken und Gefühle zu ordnen und so endlich zu einer Entscheidung zu kommen. Er merkte, dass all diese wirklich guten Tools nicht griffen, Intuition, Herz und Kopf waren einfach nicht verbunden. Schließlich hat er mich gefragt, ob ich bereit wäre auf eine imaginäre Reise zu gehen. Kennt ihr diese Traumreisen, bei denen man auf einer grünen Wiese liegt und dann von einer fliegenden Untertasse in ein verzaubertes Reich fliegt? So ähnlich war es. Und doch anders.

Eine stark verkürzte Fassung möchte ich mit euch teilen: Ich war mit einem Rucksack auf einem Berg unterwegs. Jedes Detail meines Weges war so eindrücklich beschrieben, dass ich das Gefühl hatte, es würde wirklich passieren. Ich spürte die warme Sonne auf meiner Haut, den lauen Wind, der durch die Bäume strich und die frische des Wassers, das ich aus dem fließenden Bach trank. Auf einer Anhöhe des Berges entdeckte ich eine Bank. Ich machte eine kleine Pause unter meinen Händen spürte ich die warme Rauheit des Holzes und atmete die frische Bergluft ganz bewusst ein. Nach einiger Zeit sah ich einen Mann auf mich zukommen. Für mich war dieser Mann Jesus. Er hat freundlich gelächelt. Gefragt, ob er sich neben mich auf die Bank setzen kann und dann haben wir nebeneinander gesessen. Nach einer Weile haben wir uns etwas unterhalten. Schließlich fragte er nach meinem Rucksack. Ob ich ihm den Rucksack geben möchte? Ich wollte. Er hat ihn geöffnet, hat ihn ausgeleert und auf dem Boden abgestellt.

Bereits in dem Moment, in dem er fragte, ob ich den Rucksack abgeben möchte, ist eine Mauer in mir gefallen. Ich habe ich geweint wie lange nicht mehr. Und ich konnte eine ganze Weile nicht aufhören damit. Ich hatte plötzlich Zugang zu sovielem in mir, was ich vorher gut verbarrikadiert habe. Ich konnte aufhören all das was mich so belastet hat festzuhalten. Ich konnte nicht einmal sagen, was es alles war. Es lastet vorher schwer auf mir. Schlummerte in meinem Unterbewusstsein und nahm mir meine Kraft. Und in diesem Moment fiel es von mir ab.

Er, also Jesus, hat dann noch ne Weile so da gesessen. Ich habe seine Gegenwart fast körperlich gespürt. Seinen Arm auf meiner Schulter. Die Erleichterung in meiner Herzgegend. Zum Abschied hat er gesagt ich könnte jederzeit wieder kommen. Um den Rucksack bei ihm auszuleeren oder einfach nur so da zu sitzen mit ihm.

Entspannt und befreit wie lange nicht mehr bin ich aus dieser imaginären Geschichte gehüpft. Was da alles bei mir losgetreten wurde ist garnicht in Worte zu fassen.

Und dann habe ich versucht wieder zu meditieren. Mit diesen Podcastanleitungen. Das war dann mehr so lauwarm. Hatte nicht ansatzweise einen ähnlichen Effekt. Natürlich nicht, wie sollten sie auch. Nachdem ich Jesus auf dieser imaginären und doch so realen Bank begegnet bin.

Als nächstes bin ich dann auf eine Podcastfolge des „Wachstumskatalysators“ von Markus Schmidt gestoßen. „Zugangswege“ hieß die Folge. Da fielen die Worte christliche Meditation und Kontemplation. „Aha. Es gibt also eine christliche Form der Meditation“, entdeckte ich.

Ich fing an zu recherchieren. Google sagt, Kontemplation bedeutet soviel wie

„konzentriert-beschauliches Nachdenken und geistiges Sichversenken in etwas“

google.de

oder

„innere Sammlung und religiöse Betrachtung; Versenkung“

google.de

Bereits im 3. Jahrhundert soll es Mönche gegeben haben die in einer solchen Betrachtung des Wortes Gottes das Wort der Bibel von ihren Köpfen in ihre Herzen fließen ließen. Es geht nicht darum Worte zu sprechen – wie bei anderen Gebeten, sondern darum auch einfach nur mit Gott zu sein. So, wie ich mit ihm auf dieser imaginären Bank.

Du kennst die Bibel nicht und weißt nicht was daran gut sein soll? Für mich ist sie die Wahrheit, die den Lügen in mir ein Ende bereitet.


Ich denke: „Ich muss ich alles alleine schaffen.“ und sie sagt: „Jesus hat alles vollbracht. Du musst nichts mehr tun.“

Ich denke: „Ich bin nicht gut genug.“ Und sie sagt mir, dass Gott sagt: „Du bist meine geliebte Tochter. Die, an der ich Wohlgefallen habe.“ und „du teuer bist in meinen Augen und wertvoll.“

Ich denke: „Ich schaffe das nicht,“ Und sie sagt: Mit Gottes Kraft kannst du alles schaffen.“

Ich denke: „Ich bin alleine in diesem unaushaltbaren Schmerz“ und sie sagt: „Er hat unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen.“ – Ich bin nie allein. Er trägt alles mit mir.

Als nächstes fiel mir eine Zeitschrift in die Hand „Aufatmen“ Dort hieß es:

„Tiefstes Ziel christlicher Meditation und Stille ist nicht Achtsamkeit und innere Leere, sondern die Begegnung mit dem DU Gottes, das mir in Jesus Christus nahekommt.“

Aufatmen, Oktober 3/2019, Artikel: „Ich bin da, Gott“ von Ruth Maria Michel S. 11

Das war genau das was mir in der Meditation vorher gefehlt hat. Ein Gegenüber. Wie soll ich meine Sorgen und Ängste ins Nichts los lassen? Da ist es doch viel einfacher sie abzugeben in Hände, die vertrauenswürdig sind.

Diese Zeitschrift habe ich monatelang überall hin mitgenommen und mich anhand der Anleitung in der Kontemplation geübt. Keine geleitete säkulare Meditation hat mir soviel Frieden und Ruhe geschenkt wie diese meine Hinwendung zum DU Gottes. Immer wieder habe ich in der Kontemplation erlebt, wie in mir etwas aufgebrochen ist, zu dem ich sonst keinen Zugang habe. Wie ich dadurch heil wurde und der Frieden in mir eine immer tiefere Dimension bekam.

Langfristig merke ich, wie sich meine Gedanken ändern. Nicht weil ich mir soviel Mühe gebe, mich diszipliniere und mit aller Kraft versuche möglichst positiv zu sein. Nicht weil ich versuche mir etwas einzureden oder Schmerzen, Angst und Sorgen zu verdrängen. Nein. In der Kontemplation kann ich diese Dinge dem abgeben, der alles in seinen Händen hält und dem ich absolut vertraue. Es ist als kämen da gute, liebevolle, barmherzige Worte in meinen Gedanken, ohne dass ich mich darum bemühen müsste. Christen sagen, das ist der heilige Geist der in mir wirkt.

Ich behaupte nicht, dass ich nur noch in diesem Zustand bin. Ich bemerke eher eine Tendenz. Angstvolle Gedanken werden weniger. Sorgenvolle Gedanken nehmen ab. Tiefe Freude, Zuversicht und Hoffnung werden mehr.

Und das ganz ohne, dass ich etwas Tun muss. Ich darf einfach sein. Bei dem, der schon da ist. Und auf mich wartet.

Auf dich wartet er auch.