Bevor ich euch Saskias Bericht lesen lasse muss ich euch ein paar ganz aktuelle Tipps für Berlin mitgeben!

1. Wenn ihr am Wochenende hinfahrt: Geht UNBEDINGT zum Karaoke-Singen zur Freilichtbühne am Mauerpark. So ziemlich jeden Sonntag gibt es dort jede Menge Lachen, wechselnde Emotionen und sehr guten bis unterhaltsamen Gesang. Das Beste Publikum und einfach jede Menge Spaß! Alle Infos findet ihr auf der Seite: http://www.mauerpark.info/kultur/mauerparkkaraoke/

2. Gut Feiern: Lässt es sich in der Odessa Bar  und in der Kitty Cheng Bar am Alexanderplatz! Barockes Ambiente, Hochwertige Drinks, sehr sehr geile Musik und interessante Menschen warten auf euch.

3. Bestes Sushi und super vietnamesische Küche sowie außergewöhnlich wohlschmeckende Drinks bekommt ihr im DUDU – ebenfalls in der Nähe vom Alexanderplatz in der Torstraße 134. Sehr stilvolles Ambiente. Schlicht, elegant, modern. Unbedingt min. 24h vorher reservieren. Sonst wird es schwierig einen Tisch zu bekommen.

4. Döner haben wir nicht gegessen. Schande auf unser Haupt. Allerdings sehr gutes Lammkarree, Hummus und einfache, aber unglaublich gut gewürzte Salate im Adana Grill-Haus in Kreuzberg in der Manteuffelstraße 86

5. Wenn ihr in Berlin sterben möchtet: Schokokuchen und perfektes französische Cafékultur gibts im Café Fleury. Genauso schmeckt übrigens mein „death by chocolate“, Rezept findet ihr hier. Das Frühstück mit selbstgemachten Frischkäsepasten mit Oliven oder getrockneten Tomaten, Käse, Weintrauben, Gemüse und Wurstsorten ist sehr französisch und sieht zumindest sehr lecker aus – leider haben wir es nicht ausprobiert. Auf dieser Holzterrasse befindet sich auf jeden Fall die Sonnenseite des Lebens. Ganz nebenbei kann man das bunte Treiben rund um den Rosenthaler Platz beobachten.

So. das waren meine Worte zum Sonntag äh, zu Berlin. Ich übergebe an Saskia.

IMG_2736

 

von Saskia

Freitag der 13. auf der Buchmesse. Bis zum Vormittag war ich mir dieses „Unheil“ verheißenden Datums nicht einmal bewusst –  hätte die Moderatorin einer Lesung ihr Publikum nicht freundlicher Weise darauf hingewiesen. Nun gut, abergläubisch bin ich nicht. Ich wollte mein Glück dennoch nicht herausfordern. Um 15 Uhr blickte ich einer Lesung mit besonderem Interesse entgegen. Fania Oz-Salzberger würde über ihr Buch „Israelis in Berlin“ sprechen. Nicht nur das Thema des Buches sprach mich an. Zwei Tage zuvor entzückte mich ihr Vater Amos Oz bei einer Veranstaltung mit seinem sympathischen Auftreten. Daher war ich gespannt ob die Tochter vom gleichen überzeugenden Schlag sein würde.

Um auf Nummer Sicher zu gehen, checkte ich die Lage rund um den Stand der israelischen Botschaft lieber schon ein gutes Stündchen vor Beginn der Lesung. Und wie ich sah, sah ich nichts! Jedenfalls nichts vom Stand. Die Sicht versperrte eine Menschentraube, die sich bis auf den Gang drängte. Meir Shalev sprach dort gerade über sein Buch „Zwei Bärinnen“. Shalevs Veranstaltung war bis14:50 Uhr angesetzt. Mir besonders früh einen Platz zu sichern, ließ die Pause von zehn Minuten also nicht zu. Nach einer kurzen Runde durch die Halle vier entschied ich mich bis zum Veranstaltungsbeginn an der kleinen Kaffeebar des israelischen Standes zu warten. Lauernd, um pünktlich um 14:50 Uhr die erste Lücke der aufbrechenden Zuhörer auszunutzen und mir den perfekten Platz zu sichern. Tja, denkste Puppe. Der Zeiger schlug schließlich zehn vor Drei und der Großteil der Menge dachte gar nicht daran die Fläche freizugeben. Diese schlauen Füchse. Im Endeffekt fand ich meinen Platz auf dem Boden unter einem Bistro-Tisch. Denn stehen durfte ich nicht. Eine Dame, die ihren Barhocker am Rande des Standes wahrscheinlich schon den ganzen Tag besetzte, wies mich darauf hin, dass die Leute hinter mir auch etwas sehen wollen. Sonderlich groß bin ich zwar nicht gerade, aber einen Streit am Feiertag des Unglücks vom Zaun brechen wollte ich nicht.

Pünktlich platzierten sich die Autorin Fania Oz-Salzberger, die Moderatorin Shelly Kupferberg und die Vorleserin Artemis Chalkidou auf der kleinen Bühne. Shelly Kupferberg begrüßte das Publikum und lies verlauten, das folgende Gespräch werde auf ‚Denglisch‘ geführt. Fania Oz-Salzberger versteht zwar Deutsch, sprechen kann sie es aber „nur ein kleines, kleines bisschen“, wie sie selber sagte. Mit dieser Aussage hatte Oz-Salzberger ihr Licht, wie ich finde, „ein kleines, kleines bisschen“ unter den Scheffel gestellt. Während des Gespräches wechselte sie für einige Sätze immer wieder zur deutschen Sprache. Den Rest übersetzte Kupferberg.

Von Berlin geht eine besondere Faszination für israelische Bürger aus, erzählt Oz-Salzberger. Die Israelis lieben Berlin. Ihre ganze Familie liebt Berlin. Ja, sogar der Hund! Um dieser Faszination auf den Grund zu gehen, flog sie lange Zeit jährlich in die deutsche Hauptstadt. Sie sprach mit israelischen Politikern, Künstlern, Intellektuellen und Hipstern. Drei Leitfäden resultierten aus ihren Recherchen, mit denen sie die außerordentliche Anziehungskraft erklärt:

1) Viele junge israelische Menschen sind unzufrieden mit der aktuellen Politik und der Ökonomie des Landes. Wenn sie sich entscheiden Israel zu verlassen, ist es im heutigen Zeitalter keine Einbahnstraße mehr. Sie sind flexibel und können, besonders durch das Internet, an mehreren Orten zu Hause sein. „Wired internet nomads“ nennt Oz-Salzberger die jungen Reisenden.

2) Berlin ist die wohl judenfreundlichste Stadt Europas. Oz-Salzberger sagt sogar, es ist die jüdischste Stadt Europas. In vielen europäischen Metropolen wie Rom, Paris und Amsterdam ist es nicht leicht Jude zu sein. Berlin allerdings empfängt vor allem israelische Künstler, Musiker, Schriftsteller und Intellektuelle mit offenen Armen.

3) Hitler hat versucht tausend Jahre deutsch-jüdischer Geschichte zu zerstören. Und hatte diese lange gemeinsame Geschichte auch Schattenseiten, so gab es doch viele schöne Kapitel. Diese positiven Seiten werden versucht wieder aufzubauen. Die Schriftstellerin sagt, etwas in Berlin selbst gehört zu Israel. Es gibt eine intellektuelle Diaspora in Berlin, die sich in kulturellem und intellektuellem Besitz ausdrückt.

Von meinem Platz unter dem Bistro-Tisch folgte ich den Ausführungen der Schriftstellerin und kam nicht umhin zu bemerken, dass Oz-Salzberger während der ganzen Veranstaltung eine Art wonnige Heiterkeit und Wärme ausstrahlte. Ihre deutschen Einwürfe, mit israelischem Akzent und einem Lächeln auf den Lippen, unterstützten diese sympathische Ausstrahlung nur noch mehr. Also doch ganz die Tochter des Vaters. Dieser saß im Übrigen mit seiner Frau Nily in der ersten Reihe und bejubelte seine Tochter. So wie die Veranstaltung begann, endete sie auch. Mit einem charmanten deutschen Einwurf von Oz-Salzberger, der das Publikum verzückte: „Kommt alle nach Tel Aviv. Die Sonne scheint dort jetzt. Und man kann schwimmen gehen.“

Zum Buch: Fania Oz-Salzberger; Israelis in Berlin; Suhrkamp; Aus dem Hebräischen von Ruth Achlama; 20,80 €

Lesung und Gespräch: Fania Oz-Salzberger mit Moderatorin Shelly Kupferberg; Lesung des deutschen Textes: Artemis Chalkidou; Stand der Botschaft von Israel; 13. März 2015; 15 Uhr