(Die Bilder habe ich auf der Seite der HAZ entdeckt. Der Fotograph ist Matthias Stehr. Hier ist der passende Artikel dazu!)

Der Begriff Poetry Slam wurde für mich erstmals durch Julia Engelmann mit Bedeutung gefüllt. Eines Tages sah ich ihr YouTubeVideo und war ganz ergriffen von ihren Worten und auch fasziniert von dieser anderen Welt, die meiner Eigenen so fern ist. Durch den gewaltigen Hype und den anschließenden tosenden Shitstorm wurde meine anfängliche Begeisterung für dieses neue Milieu langsam aber sicher weggepustet. Und sie blieb weg. Bis meine Cousine mich fragte, ob ich sie zu einem Poetry Slam in Hannover begleiten möchte, an dem ihre Freundin teilnehmen würde. Ja, warum denn eigentlich nicht.

Am Sonntag war es dann soweit. Nach einem leckeren Schmaus bei mir zu Haus (jawohl, auch ich sollte wohl unter die Poeten gehen) machten wir uns auf dem Weg. Der Poetry Slam, organisiert von MACHT WORTE, mit dem Titel: „Grenzenlos göttliche Wortwelten“ fand im Opernhaus statt. Oho, dachte ich mir, das muss ja doch schon ein ziemlich großen Ding sein. Als ich dann hörte, dass die Oper ausverkauft sei und somit 1.200 Zuschauer den Poeten lauschen würden, stiegen meine Erwartungen sofort stark an und proportional mit ihnen meine Neugier. Was würde mich wohl erwarten.

Wir trafen die „Freundin meiner Cousine“ vor der Oper zur Kartenübergabe. Sie heißt Julia Ustinski und ist Performance-Künstlerin aus Wallensen, einem Ortsteil von Salzhemmendorf in der Nähe von Hameln. Auch wenn sie mir sagte, dass sie sehr nervös sei, vor allem da sie als Letzte der achte Vortragenden an der Reihe ist, machte sie auf mich einen vollkommen unaufgeregten, ja sogar ziemlich coolen Eindruck. Unsere Karten war nicht die einzigen, die sie an diesem Abend verteilte. Familie und Freunde waren zur Unterstützung angereist. So ein Slam im Opernhaus ist doch schon etwas Besonderes.

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Nun ging es endlich los. Die Moderatoren Henning Chadde und Jan Egge Sedelies begrüßten das Publikum, erklärten für Laien wie mich das Prozedere und stellten das Poetenkader vor. Von Anfang an erstaunten mich vor allem die Zuschauer. War ich von den paar Veranstaltungen, die ich im Opernhaus, Staatstheater oder sonstigen künstlerischen Einrichtungen besuchte, eher gediegen vornehmes Klatschen gewohnt, so fand ich mich Sonntag in einer lärmenden, juchzenden, pfeifend und trampelnden Zuschauer- und Mitmachermenge wieder. Zehn Freiwillige welche von den Moderatoren zu Juroren ernannt wurden, durften die kommenden Slams mit Punktekarten bewerten.

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Ein Großteil der Poeten kam aus Hannover, so zum Beispiel Tobias Kunze, welcher aus vier spontanen Wörtern, die ihm aus dem Publikum zugerufen wurden, ein Gedicht zauberte. Wer so reimen kann, braucht echt kein anderes Talent mehr. Die US-amerikanisch-schweizerische Kabarettistin und Slam-Poetin Hazel Brugger hat mich persönlich sehr zum Lachen gebracht mit ihrer anschaulich-eklig-amüsanten-zum-Kreischen-komischen Erzählung ihrer Pubertät. Bei ihr lief eben so gar nicht, wie sie selber sagt, denn die Jugend ist der beschissene unvermeidliche Wartesaal zwischen Flachbrüstigkeit und gesiezt werden. Im Gegensatz dazu Kersten Flenter der Naina eine Antwort gibt auf ihren Medien verstopfenden Tweet. „Du fühlst dich nicht vorbereitet auf das Leben und ich sage scheiß drauf, das Leben ist dafür vorbereitet auf dich.“

Und dann kam Julia. Und mit ihr die Stille und laute Gefühle.  Julias Slam sollte für sich selber sprechen, deswegen habe ich für euch ein Video aufgenommen. Man erkennt nicht viel, aber man hört alles und das ist die Hauptsache.

„Das verstand ich nicht alles als Lärm um mich war, als ich es verstand, war es still.“

Im Gegensatz zu den eher humorvollen Slams der anderen Poeten traf Julias Text ins Herz und überzeugte mich sofort. Auch die Juroren waren begeistert und so durfte sie in das Finale einziehen und noch einmal mit einem Slam überzeugen. Im Battle mit Kersten Flenter. Und sie gewann.

Und ich gewann auch. Das wird sicherlich nicht mein letzter Poetry Slam sein. Danke Sarah für diesen Einblick 🙂

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