Hui, das erste Semester war ja nicht so ein Ponyschlecken. aber das Zweite… Ich habe mich großartig gefühlt!

Ich habe Schwangerschaftssport und -yoga gemacht, Freunde besucht, viel Kontakt zu meiner Mama gehabt, unsern Haushalt auf die Reihe bekommen, sehr viel gekocht, ab und an mal gebacken, sehr viel Freude beim Arbeiten gehabt und alles was mir Spaß macht in vollen Zügen
genossen.

Wie ich mich gefühlt habe? Stark, schön, weiblich, kraftvoll, eine Mama! Ich bin so stolz auf das, was mein Körper da gerade macht. Ich wertschätze ihn und bin unfassbar froh diese Erfahrung machen zu dürfen. So, wie ich im ersten Trimester damit zu kämpfen hatte kein „Mädchen“ mehr so sein, so stolz bin ich jetzt darauf, dass ich jetzt diese grandiose weibliche Leistung erbringen und mehr Frau sein darf, als je zuvor.

Und immer, wenn ich mal müde war oder Rückenschmerzen hatte, habe ich mich hingelegt, die Füße hoch gelegt und mich entspannt. Auf meinen Körper gehört und ihm gegeben, was er brauchte.

Irgendwann haben dann Wadenkrämpfe eingesetzt – Tabletten haben leider nicht so schnell geholfen – also habe ich Magnesiumbäder genommen – das kann ich euch nur wärmstens empfehlen, wie es wirkt könnt ihr hier nachlesen! Es entspannt alle Muskeln optimal und versorgt auch das Nervensystem gut, ihr werdet euch großartig fühlen, wenn ihr es ausprobiert. Dieses Magnesiumsalz habe ich übrigens verwendet. 🙂

Tja und dann wurde ich wieder mit meiner Angst konfrontiert. Ich dachte, ich hätte mich damit abgefunden, dass ich den Großteil der Geburt alleine durch stehen müsste. Bis zu dem Zeitpunkt in dem ich dieses Video von dem Krankenhaus sah, in dem eine schwangere Frau eine gefühlte Ewigkeit vor einer Stationstür stand und darauf wartete, dass man ihr auf machte.

Dieser Moment hat so lange gedauert. Und eine Wirkung auf mich gehabt, die schwer in Worte zu fassen ist. Ich spürte, wie ich einen Kloß im Hals bekam, sich mir die Luft wegschnürte, meine Brust eng wurde. Meine Augen heiß, bevor die Tränen hochstiegen. Ich versuchte mich zusammenzureißen. Ich wollte nicht, dass mein Mann das sieht. Und ich dachte, dass ich das in den Griff kriege.

Bis die erste Träne kullert. Der Abend war gelaufen. Ich konnte mich kaum beruhigen.

Ich will mich nicht mit Wehen irgendwo anmelden müssen, mit Fremden Menschen sprechen und irgendwas erklären müssen. Ich will das nicht alleine machen. Ich will nicht ohne meinen Mann in dieser Situation sein.

Ich. Will. einfach. nicht.

Mir wurde klar, dass das keine „normale“ Angst ist. Ich weiß woher sie kommt, ich kenne ihren Ursprung. Und ich weiß, dass ich mich damit auseinandersetzen muss, wenn ich möchte, dass diese Geburt kein emotionales Desaster für mich wird.

Angstauflösung kann eine Sache sein, die man mit einem Therapeuten oder Berater machen muss. Wenn du weißt, dass du es alleine nicht überwindest, dann möchte ich dich ermutigen dir jemanden zu suchen. Für den Raum Hannover kann ich dir auch jemanden empfehlen.

Wenn es nicht ganz so dramatisch ist und deine Angst nicht von einem Trauma oder ähnlichem herrührt, dann kannst du ihr auch alleine begegnen. Wenn du an Gott glaubst, dann kannst du sie dir ansehen, in dem Wissen, dass er bei dir ist und dich nicht mit ihr alleine lässt.

Angst wird größer, wenn wir sie wegdrücken, uns ablenken oder ihr ausweichen. Und sie wird kleiner, wenn wir sie dir genauer ansehen.

Nimm dir also einige Minuten. Setz dich oder leg dich entspannt hin und begegne deiner Angst.

Nimm sie wahr.

Wie sieht sie aus? Hat sie Formen und Farbe? Wo in deinem Körper kannst du fühlen? Wie genau fühlt sie sich an?

Und was will sie von dir, dass du tun sollst?

Was will sie, das du mit IHR tun sollst?

Auch wenn das Gefühl der Angst nicht schön ist, hat sie einen guten Grund da zu sein. Sie möchte dich vielleicht beschützen? Wovor?

Was, wenn du sie annehmen und lieben könntest? Was würde sich dann verändern?

Könntet ihr ein gutes Team sein, du und die Angst?

Ich weiß, dass ich am meisten Angst vor dem Kontakt mit dem Klinikpersonal habe. Davor nicht ernst genommen zu werden. Das man nicht hört was ich sage und sich über meinen Kopf hinweg setzt. Mich ausgeliefert zu fühlen und nicht in der Lage zu sein mich durch zu setzen. Ich mache mir Sorgen, dass Ärzte nicht das Wohl meines Kindes und meines an die erste Stelle setzen. Sondern, dass es ihnen in erster Linie darum geht, dass die Geburt möglichst schnell geht und das Krankenhaus nicht viel kostet.

Hui. Ganz schöne Anschuldigungen, denkst du jetzt? Und ein wenig paranoid? Es ist wie es ist. Das sagt mir meine Angst. Sie möchte mich beschützen vor diesen Dingen. Und wenn ich ein Team mit ihr werden möchte, dann muss ich ihre Bedenken ernst nehmen. Und mir überlegen, wie ich sie einbeziehen kann, ohne, dass sie mich beherrscht und völlig irrational handeln lässt.

Folgendes habe ich mir überlegt: Ich werde ein Geburtsvorbereitungsgespräch mit dem Krankenhaus machen, in dem ich entbinden möchte. Dort werde ich, in Anwesenheit meines Mannes, alle meine Wünsche äußern und verschriftlichen lassen.

Ich sage meiner Angst, dass ich ihr dankbar bin für ihren Hinweis und dass ich ihn berücksichtigen werde, dass ich mich selbst beschützen kann und sie sich entspannen kann. Ich bin mir der Risiken bewusst. Und ich habe einen Gott, der seine Hand über mir hält. Das sage ich ihr jeden Tag, bis sie es glaubt und sich beruhigt.

Ich versuche Verständnis zu entwickeln für die Ärzte und Hebammen. Wie geht es ihnen wohl bei so einer Geburt? Was braucht es von mir, dass wir ein gutes Miteinander haben?

Ganz praktisch werde ich ein paar Geschenke für die Hebammen, Schwestern und Ärzte mitnehmen. Vielleicht einen Obstkorb oder einen Lipbalm von Ringana! Ich denke, dass kann schon eine positive Grundlage schaffen für die Zusammenarbeit.

Und ich löse mich von meinem krampfhaften Wunsch nach einer natürlichen Geburt. Ich nehme alles was kommt aus Gottes Hand und lege auch alles was kommt in seine Hand.

Den Weg zum Therapeuten werde ich übrigens auch einschlagen. Kein Grund sich zu schämen! Auch für dich nicht.

PS: Das sind übrigens die Übungen, die ich gemacht habe, damit fühlt man sich viiiiiel besser!