Vieles steht still.
Meine Bücher habe ich zu Ende gelesen.
Netflix unterhält mich nicht mehr.
Ich komme zur Ruhe. Bemerke Unruhe in mir.

Vieles kommt hoch.
Dinge, von denen ich dachte, dass ich sie schon hinter mir gelassen habe. Dass ich sie akzeptiert habe. Und, dass ich vertraue und warten kann. Warten auf die Erfüllung unerfüllter Wünsche. Glücklich sein solange die Wünsche nicht erfüllt sind. Glücklich sein, auch wenn diese Wünsche nie erfüllt werden. Vertrauen, weil ich weiß, dass da jemand ist der mich hält.

Mit dem Kopf weiß ich das. Ich habe einen sehr guten Grund zu vertrauen, denn es gibt einen Ort der Sicherheit zu dem ich jederzeit Zugang habe.

DA bin ich safe. Normalerweise sage ich HIER bin ich safe. Weil dieser Raum in mir ist. Der Raum in dem ich Gott in mir begegne. Aber jetzt sage ich: DA. Weil ich es sich jetzt gerade so anfühlt als wäre es da und nicht hier.

Ich weiß also eigentlich, dass ich sicher bin und vertrauen kann. Bei meinem Herzen kommt das manchmal besser und manchmal schlechter an. Jetzt gerade eher schlechter.

Ich bin erschöpft. Wovon weiß ich nicht genau. Es sind keine konkreten Gedanken oder Sorgen, die mich quälen. Es ist mehr so ein Gefühl. Einfach ein Gefühl. Etwas, was mir die Luft abschnürt und die Brust zudrückt. Ich hole tief Luft. Das hilft. Macht es leichter.

Ich setze mich allein auf den Balkon. Warm eingepackt. Mit dem Gesicht zur Sonne. Das Gefühl begleitet mich weiterhin. Also sitze ich hier. Frage das Gefühl lautlos was es mir sagen will.
Ich werde sauer, weil es nicht antwortet, wische mir eine wütende Träne von der Wange.

Spüre ihm nach. Versuche es zu ergründen. Zu fassen. Es wortlos zu beschreiben, auszudrücken, was es in mir macht.
Ich kriege es nicht zu fassen.

Also sitze ich hier weiter.

Nachdem die Tränen versiegt sind versuche ich es etwas trockener und fühle mich dabei sehr vernünftig:

„Hallo. Dann bist du jetzt also auch da. Dann sitzen wir jetzt also hier zusammen. Ist ok.“

Es ist ok. Ich bleibe hier einfach so lange, bis du wieder gehst. Und atme. Spüre die Wärme der Sonnenstrahlen auf meinem Gesicht. Die frische Luft, die in meine Lungen strömt.

Ich weiß woher du kommst. Du warst schon länger da. Ich konnte dich bisher nur gut verstecken. Hinter all der Geschäftigkeit. Den Terminen, Aufgaben und Menschen, die ich treffen und um die ich mich kümmern musste.

Jetzt sind sie alle weg. Die Menschen, Termine und Aufgaben.

Nur noch du und ich. Also: „Hi.“ Ich sehe dich jetzt. Und ich bin bereit zu hören, was du mir zu sagen hast.

Ich erinnere mich an das Gebet einer Frau vor einigen Monaten. Ich würde viel Geduld brauchen und sie auch bekommen, hat sie gesagt. Geduld? Ich habe keine Geduld. Ich habe Schmerzen. Und Tränen. Und es gibt nichts mehr, was mich davon ablenkt.

Wo ist mein Vertrauen hin? Wo meine Sicherheit? Hab ich euch verloren? Vielleicht habe ich euch stehen lassen. So, wie ich meine Handtasche manchmal in einem Laden liegen lassen. Aber wo? Es ist gar nicht so lange her – vielleicht zwei, drei Tage – da hatte ich euch noch bei mir. Ich rekapituliere was seitdem passiert ist. Vielleicht fällt mir dann ein wie es passieren konnte, dass ich euch verlegt habe.

Ich habe schon immer geschrieben, fällt mir ein. Als Teenie habe ich schrecklich kitschige Gedichte geschrieben um über meinen Liebeskummer hinweg zu kommen. Ich muss schmunzeln über meine Theatralik als 15-jährige und erkenne, dass ich mit 31 immer noch etwas von ihr in mir habe. Heute kann ich es (meistens) nur besser kaschieren.

Keine Ahnung warum ich gerade jetzt daran denke. Vielleicht erinnert es mich einfach daran, dass das was ich hier tue, genau die Art der Verarbeitung ist die mir schon immer geholfen hat über Dinge hinweg zu kommen. Vielleicht hilft es mir auch einfach mich selbst nicht so ernst zu nehmen, wenn ich an diese 15-Jährige Version meiner Selbst erinnert werde.

Und dann merke ich, dass es weg ist. Dieses seltsame Gefühl, das immer in Wellen kommt und geht.

Es hat also geholfen. Auch dieses Mal.

Still werden, reflektieren und schreiben. Obwohl ich keine intellektuelle oder logische oder eine sonst irgendwie geartete Antwort auf die Fragen habe die ich mir und diesem Gefühl gestellt habe.

Die Fragen wirken. Vielleicht entziehen sie dem Gefühl die Substanz. Ich weiß wieder worauf und wem ich vertrauen kann. Woher meine Kraft und Geduld kommen wird, wenn ich sie brauchen werde. Und es ist ok, dass es jetzt gerade so ist, wie es ist. Ich bin ok damit. Ich weiß es nicht nur, mein Herz glaubt es auch. Wie Sobi in ihrem Lied „home one day“ singt:

„I will be home one day,

be in a better way.

I won´t remember missing you.“

Sobi – Home One Day

Eines Tages werde ich mich besser fühlen als ich es jetzt gerade tue. Und ich werde mich nicht einmal an den Schmerz erinnern können, den ich noch vor wenigen Minuten empfunden habe. Dieses Bewusstsein tröstet mich jetzt schon. Lindert meinen Schmerz und stimmt mich doch tatsächlich wieder fröhlicher.

Es ist wieder gut. Ich bin ok. Auch wenn ich weiß, dass die nächste Welle sicher kommt.

Diese Momente der Selbstkalibrierung sind: Nicht einfach. Aber wertvoll.

Wenn es etwas gibt, dass du mit mir teilen möchtest, oder Fragen, die du an mich hast, dann schreibe mir gerne auf Instagram eine persönliche Nachricht oder einen Beitrag unter den Feed auf Instagram.

Ich freue mich sehr von dir zu hören.

Mit viel Liebe geschrieben

deine Tina