Mailand als wirtschaftliches Zentrum Italiens in Bezug auf Mode stand als Reiseziel nie auf meiner Will-ich-sehen-Liste. Ohne viel über die Stadt zu wissen, hatte ich eher einen negativen Eindruck. Wirtschaft klingt einfach mal so gar nicht nach italienischem Flair, la dolce vita, Gaumenschmauß und gemütlichen Gassen. Nichts desto trotz buchte ich mit meinen Freundinnen im letzten Jahr (als es bei Germanwings mal wieder Schnapperpreise gab) Flüge nach Milano. Unsere Unterkunft suchten wir uns über airbnb und fanden eine kleine Wohnung mit Küche und drei Schlafmöglichkeiten in Zentrumsnähe für einen guten Preis von ca. 210 EUR für drei Nächte.

Letztes Wochenende stiegen wir dann also in den Flieger – mit viel Vorfreude auf die gemeinsame Zeit, jedoch wenig Erwartungen an die Stadt an sich.

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Die Anreise verlief ziemlich glatt und ich erspare mir hier langweilige Details (falls jmd. doch Infos zu Flug, Flughafentransfer, Öffis o.ä. haben will, einfach fragen). In unserer Wohnung wartete bereits Alberto, unser sehr smarter und höflicher Vermieter auf uns und erklärte kurz alles was es zu wissen gab. Ich kann jedem nur empfehlen, private Wohnungen anstatt Hotelzimmer zu buchen. Man bekommt einen viel besseren Eindruck von dem Leben der „Einheimischen“, lernt die normalen Wohngegenden kennen und hat einfach ein ganz anderes Gefühl für die Stadt. Ein bisschen weg vom typischen Touri eben. Ich persönlich habe nur sehr positive Erfahrungen damit gemacht! Unser erster Abend in Mailand hätte schön werden können, aber miese, fiese, gemeine Kopfschmerzen haben mich komplett von den Beinen gehauen. So blieb es bei Pasta, Pesto, Parmesan vorm TV. (I’m sorry, Mädels).

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Der Blick von unserem Balkon über die Dächer Mailands. Die Wohnung liegt im 8. Stock (Es gibt einen Lift!).

Nach ausgiebigem und so gar nicht italienischem Frühstück mit Speck und Eiern fuhren wir am nächsten Morgen mit der U-Bahn in das Stadtzentrum bis zur Haltestelle Duomo. Der erste Blick auf den Dom im strahlenden Sonnenlicht war ein komplettes ‚Oooohhhh-Aaaahhhh‘-Erlebnis. Deshalb schlenderten wir zunächst auf dem Domplatz umher, genossen einfach die Sonne und den Ausblick.

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Durch die berühmte Galleria-Vittorio-Emanuele II , welche sich direkt links neben dem Dom befindet und schöne Architektur mit Designershops verbindet, gelangten wir nach ein paar weiteren Schritten zum Brera-Viertel – dem Künstlerviertel Mailands mit vielen Restaurants, Boutiquen und Kunstgeschäften. Das Schönste waren hier für uns die Menschen. Deshalb setzen wir uns in ein Café in den Sonnenschein und haben einfach nur beobachtet. Geschniegelte Männer und schöne Damen in hohen Absätzen, alle sehr klassisch, sehr modisch, ob jung oder alt. Ganz viel Inspiration auf einem Fleck.

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Meine schöne Freundin im Brera-Viertel.

Nach der Schlenderei im Brera-Viertel und dem ausgiebigem Begaffen toller Menschen stand uns der Sinn nach Shopping. Mailand ist ein wahres Einkaufsparadies. Um den Dom herum findet man so ziemlich jedes Geschäft, das man sich nur wünschen kann. In jedem Preissegment gibt es eine Fülle an Läden und kein Wunsch bleibt unbeantwortet. Um Mailand als Modemetropole Italiens auch ausgiebig zu würdigen, bummelten wir dementsprechend lange und oft durch die Shops. Kultur muss schließlich sein! Unsere Shoppingtour fand an der Basilica di San Lorenzo di Milano in der Via Torino ein Ende. Die Sonne strahlte so gerade noch über die Häuserdächer hinweg und viele  junge lässige Menschen hatten sich auf den Treppen der Basilica niedergelassen. Ein totales Kontrastprogramm zu dem Brera-Chic am Vormittag. Wie wir auf Instagram erfuhren, ist auf diesem Platz in der Nacht immer sehr viel los.

Abends machten wir uns halb verhungert und planlos auf die Suche nach Nahrung. Da wir in unserem Viertel ad hoc kein Restaurant fanden, fuhren wir erst einmal zum Dom und landeten dann schließlich in einem tollen Restaurant. Ich sage euch, die Pizza war göttlich. Der Teig hatte die perfekte Dicke und wurde von ausgiebig viel Tomatensoße bedeckt. Als Käse wurde auschließlich Mozzarella verwendet, welcher jedoch nicht gehobelt wird, sondern in großen Stücken auf der Pizza verteilt ist. Perfetto! Mir läuft jetzt noch das Wasser im Munde zusammen, wenn ich nur daran denke. (Die sehr zentral gelegenen Restaurants sollte man jedoch vermeiden. Wir haben für eine Cola sechs Euro zahlen müssen.)

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Am Sonntag fuhren wir wieder mit der U-Bahn zum Dom um ihn dieses Mal sogar zu erklimmen. Durch die Milano-Card sollte uns eigentlich das Schange stehen zum Dom-Aufstieg erspart bleiben, aber wir waren zu dämlich um den Verkaufsstand hierfür zu finden. Das Warten (ca. 30 Minuten) hat sich allerdings gelohnt. Der Ausblick ist einfach toll und die Domterassen laden zum gemütlichen Sonnebad ein. Kleiner Tipp meinerseits: Vorher unbedingt auf Toiletten gehen. Es macht wenig Spass die 382.364 Millionen Treppenstufen runterzuhetzen auf der verzweifelten Suche nach einem Klo.
Nachdem alle Geschäfte erledigt waren, spazierte wir die Via Dante entlang und entdeckten an deren Ende eine riesige Burg mit einem schönen Brunnen: Castello Sforzesco. Auf dem Burghof versammelten sich zu unserer Überraschung viele mittelalterlich gekleidete Italiener, welche dann einen feierlichen Umzug zu starten.
Wir begleiteten diesen Umzug eine Weile und stießen dann auf zwei Straßenmusiker. Die Band heißt Soltanto und macht einfach wunderschöne Musik. Wir setzen uns und lauschten lange Zeit den Liedern Fix you von Coldplay, Hallelujah, einem italienischem Song und vielen mehr. Viele Menschen bleiben ebenso wie wir stehen. Alle waren ganz ruhig und im Bann der Musik und seiner Stimme. Einige weinten vor Rührung. Es war wirklich ein besonderer Moment. Schaut euch das Video von Soltanto an. Seine Stimme ist wundervoll und zu Recht hat er über 20.000 Fans auf Facebook.
 Der Tag der Abreise kam leider viel zu schnell. Wir frühstückten noch ein letztes Mal ausgiebig und mussten uns dann von Italien verabschieden. Uns war es auf diesem Trip wichtig Mailand in Ruhe zu genießen. Oftmals ist man auf Städtereisen sehr getresst, denn man möchte möglichst viel sehen. Doch das ist meiner Meinung nach falsch und man verliert so zu schnell den Sinn für das eigentlich Wichtige. Ich werde Mailand auf jeden Fall noch einmal Besuchen. Selten war ich von einer Stadt so positiv überrascht. Mailand hat eine unglaublich schöne Atmosphäre und verzauberte uns an jeder Ecke aufs Neue.
Ciao Milano!
Arrivedeci & tanti bacci