Unsere Identität kommt von unseren Eltern. Wenn wir sie nicht ehren, können wir uns nicht ehren. Ich weiß, „ehren“ ist ein ziemlich alter und heute selten genutzter Begriff. Ich meine damit, dass wir sie lieben, nicht, dass wir sie vermeintlich „besser“ machen als sie sind. Zum Beispiel indem wir sowas sagen wie: „meine Eltern sind die besten, sie haben alles immer richtig gemacht…“ Das ist keine Liebe. Sondern Unwahrheit. Es wird der Realität. deinen Eltern und dir nicht gerecht.
Liebe ist, wenn wir Menschen in ihrer Ganzheit wahrnehmen. Inklusive ihrer Unzulänglichkeiten und Schwächen. Und sie bejahen.

Um unsere Eltern zu ehren müssen wir nicht so tun, als wäre nie etwas schief gegangen. Als hätten unsere Eltern alles richtig gemacht und es gäbe keine Wunden, die heil werden müssten.

Nein. Wichtig ist, dass wir uns auseinander setzen mit den Fehlern und Schwächen unsere Eltern und der Wunden, die diese hinterlassen haben – sonst geben wir sie an unsere Kinder weiter. Oder auch an andere Menschen, mit denen wir in Verbindung stehen.

Auseinandersetzen heißt: ehrlich sein, zumindest zu dir selbst. Hinsehen, was wirklich war und wie es dich beeinflusst (hat). 

Liebevoll mit dir selbst sein indem du deinen Schmerzen anerkennst. Dich mit ihnen auseinandersetzt und sie zu dem bringst, der sie heilen kann. Manchmal brauchen wir dafür Hilfe von außen. Ein ehrliches Gespräch mit einer vertrauenswürdigen Freundin. Und wenn das nicht ausreicht, dann auch mal eins mit einem Therapeuten oder Berater.

Früher oder später kommt der Punkt an dem du merkst, dass du diesen Schmerz los lassen möchtest und das nennt man: vergeben.

Vergebung ist eine Entscheidung. Und du musst sie immer wieder treffen, wenn die Gefühle wieder hoch kommen, die alte Wunden auslösen. Wunden heilen, wenn wir sie desinfizieren, mit Balsam versorgen und dann sein lassen. Nicht indem wir immer wieder den Schorf aufkratzen. So ist es auch mit den seelischen Wunden. Auch wenn sie jucken, dann müssen wir die Disziplin aufbringen nicht wieder zu kratzen. Bis es eben nicht mehr juckt. Das heisst: immer wieder, wenn die seelische Wunde weh tut schließen wir daraus nicht, dass wir nicht vergeben können, sondern, dass wir die Disziplin aufwenden den Schmerz loszulassen. Das Gute ist, dass wir wissen, dass wir sie loslassen können in die Hände dessen, der sie sieht und sich darum besser kümmern kann als wir. Mit der Zeit wird es weniger weh tun, weniger jucken und die Wunde wird heilen. Und irgendwann wird es nicht mehr weh tun, nicht mehr jucken. (Das gilt für alle Wunden, nicht nur die aus unserer Kindheit).

Dann wirst du frei sein. 

Dann kannst du deine Eltern (oder wen auch immer) auch ehrlich anerkennen und ehren. Sie in ihrer Schwachheit barmherzig annehmen (was dich befähigt dich selbst in deinen Schwächen anzunehmen) und dann auch ihre Stärken, das was sie gut gemacht haben sehen, ihnen dafür danken.

Auch wenn deine Eltern Fehler gemacht haben, kann es sein, dass sie auch Gutes in deinem Leben bewirkt haben. Hast du darüber schon mal ganz ehrlich nach gedacht?

In meinem Fall kann ich sagen, dass meine Eltern mir den größten Schatz im Leben mitgegeben haben: Den Glauben an Gott. Das hat eine so verändernde Wirkung auf mein Leben. Viel mehr Wirkung als alles, was sie sonst noch hätten richtig machen können. Oder auch richtig gemacht haben.

Was sind die guten Einflüsse, die deine Eltern auf dein Leben hatten? Möchtest du ihnen das vielleicht mal mitteilen?

Möchtest du als Erwachsene Person hier und jetzt Verantwortung für dich und dein Leben übernehmen? Dann geh durch diesen Prozess und komme dahin, dass du die Verletzungen loslässt und den Wunden erlaubst endlich zu heilen.

So ehrst du deine Eltern. Und dich.

Das führt zu mentaler Gesundheit. Was die Voraussetzung ist für ein gutes und langes Leben.

Also wieso solltest du das nicht wollen?